Das Special der Kunstvermittlung

Das ist der zweite Artikel aus einer Serie über das Essl-Museum in Klosterneuburg bei Wien, die ich trotz Verspätung dennoch teilen möchte. Verspätung? Weil das Museum schon geschlossen hat?

Eigentlich ist es ja eine Verfrühung (laut Duden gibt es das Wort tatsächlich). Wir haben den letzten Mittwoch vor Weihnachten – das alljährliche Special der Kunstvermittlung findet statt.

Moment….. Dezember? Mittwoch? Haben wir etwas verpasst?

Das nicht (oder vielleicht doch, wenn du nicht dabei warst). Uneigentlich, wie mein Deutschprofessor immer zu sagen pflegte, hatten wir den letzten Dienstag vor der Schließung, den 28. Juni und Sommer, weil der Dezember-Termin aufgrund bekannter unerfreulicher Tatsachen nicht eingehalten werden kann.

 

Ein weiteres Highlight der Open Days

Die letzten Tage der Öffnung des Essl-Museums habe ich intensiv genutzt, die letzten Veranstaltungen der Crew zu besuchen, die Museumsräumlichkeiten oftmals zu durchwandern und den halben Museumsshop leerzukaufen. Eine DVD über Max Weiler – die Natur der Malerei zur gleichnamigen Ausstellung im Jahr 2001 habe ich im Übrigen auch für einen Spottpreis im Museumsshop erstanden.

Der Abend begann mit einer Runde im Garten des Museums, die Mitarbeiter der Kunstvermittlung hatten einen Tisch aufgebaut und zum Abschied zu Prosecco geladen.

Jeder Mitarbeiter sagte ein paar Worte dazu wie er die letzten Jahre erlebt hatte. Die meisten Mitarbeiter aus der Kunstvermittlung waren schon seit der Eröffnung im Jahr 1999 im Museum beschäftigt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kunstvermittlung waren mit Herzblut dabei, ich habe richtig gespürt, dass sie gerne dort beschäftigt waren und dass die Weitergabe ihrer Leidenschaft für moderne Kunst an andere ihr Ding war. Ich hoffe sehr, dass sie ihre Arbeit weiterführen werden, und so, wie es angeklungen hat, gibt es schon Ideen für ein Wiener Atelier für die Zeit danach.

 

Wie bekommt man eine Hauptrolle im Essl-Museum?

Ganz einfach – du musst bei Andreas Hoffer vorsprechen! Wie die gelbe Malerrolle, die er vor einer Weile angeschleppt hatte, die aber bis zum letzten Special der Kulturvermittlung keiner verwendet hatte. Das war wohl des Öfteren vorgekommen, da er immer wieder Utensilien gefunden hatte, die man irgendwann einmal brauchen könnte. Endlich hatte die Rolle ihren großen Auftritt als Mikrofon, das jede in die Hand bekam, die ein paar Worte sagen wollte.

Die meisten der Anwesenden waren langjährige Stammgäste, aber diejenigen, die nicht bekannt waren, durften sich auch zu Wort melden, so sie denn wollten, wie ihre Verbindung zum Essl-Museum war.

Im Anschluss an den Umtrunk gab es eine eigene Führung durch die Ausstellungsräume (das Museum war für die Allgemeinheit schon geschlossen). Eine nette Idee war die Verlesung von Besucher-Statements, die im Laufe der vergangenen Wochen auf Blättern eines A5-Blockes geschrieben und an der eigens dafür im Foyer aufgestellten Pinnwand gesammelt worden waren.

Beim Durchwandern der Räume konnte auch jeder nach Belieben das „Mikro“ in die Hand nehmen und seine Meinung kundtun. Viele der Anwesenden machten ihrem Unmut Luft, dass die Ausstellung geschlossen werden sollte, weil alle gerne in dieses Museum gegangen sind. Sicherlich liegt es auch an den tollen Angeboten, Kunst näher kennenzulernen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums angeboten hatten. Kunstvermittlung, offene Ateliers für Kinder, Kunstfrühstuck für Erwachsene und wie sie alle heißen.

Sogar Lesungen und Konzerte hatte es gegeben. Dem Architekten des Hauses, Heinz Tesar, war es ein Anliegen, dass die Räume auch anderweitig genutzt werden sollten.

 

 „Ich bin sprachlos“ – „Das soll auch so bleiben“

Die Malerin Andrea Kasamas war auch unter den Gästen, sie war mit drei Bildern in der Ausstellung Rendezvous vertreten. Ich kannte die Künstlerin vorher noch nicht. Ihre Bilder, besonders das Bild Kalter Gang aus dem Jahr 2005 mit den abgeernteten Ähren im Vordergrund und den stehenden im Hintergrund, haben mich aber sofort angesprochen.

Im Galerieraum vor ihren Bildern ergriff Frau Kasamas das Wort. Mit trockenem Humor erzählte sie von dem Moment, als sie ihre Bilder vor der Ausstellungseröffnung zum ersten Mal sah und vor Rührung und Erstaunen nichts anderes sagen kann außer dass sie ausnahmsweise sprachlos wäre.

Andreas Hoffer antwortet darauf, dass das auch so bleiben solle. Was das wohl zu bedeuten hatte?

 

Rührende Statements

In den Tagen vor der Schließung war das Museum bis zum Bersten mit Besuchern gefüllt. Nach Zählungen waren am letzten Samstag und auch Sonntag jeweils über 1000 Menschen anwesend. Nur hilft es leider nicht, nochmal schnell hinzugehen, bevor die Türen für die Öffentlichkeit schließen. Wenn immer so viele Menschen hingegangen wären, dann wäre es vielleicht nicht soweit gekommen – aber das ist natürlich Spekulation.

Dabei kann ich mich selbst gar nicht ausnehmen, da ich jahrelang nicht im Essl war, sondern seit meinem ersten Besuch im Jahr 2003 das nächste Mal erst wieder im Februar 2015 bei einer unglaublich spannenden und gut gemachten Spezialführung in der Restaurationswerkstatt teilgenommen habe.

Immer wieder meldeten sich die Mitarbeiterinnen zu Wort und erzählten interessante, merkwürdige und lustige Begebenheiten. Zwischendurch lasen einzelne Besucher die hinterlassenen Statements, die Andreas Hoffer zuvor verteilt hatte.

In den Räumen der Body & Soul-Ausstellung durfte ich passend zum Akt Selbst, goldig aus dem Jahr 1994 von Siegfried Anzinger ein Statement eines Mannes vorlesen, der im Jahr 2014 vor einem Bild Anzingers seine Frau kennengelernt hatte.

Dort sprach auch Christine Gutwenger vom Verein Balance. Vereinszweck ist laut Statuten die Förderung von Menschen mit körperlichen Behinderungen, sozialen sowie psychischen Beeinträchtigungen und/oder Lernschwierigkeiten.

Katharina Lehmden und Christine Gutwenger, die beiden Betreuerinnen vom Bereich bildBalance, durften mit den KünstlerInnen des Vereins zwei Wochen lang im Museum arbeiten. Christine Gutwenger war sehr dankbar dafür, dass ihre Schützlinge und natürlich auch sie selbst und ihre Kollegin so freundlich aufgenommen wurden und während des normalen Ausstellungsbetriebes vor den ausgesuchten Werken sitzen und malen durften.

 

Der Ausklang eines tollen Abends

Nach der Führung wurden wir noch zu einem Imbiss in der schicken Lounge an der Rückseite des Gebäudes geladen. Genau nach meinem Geschmack, ein schöner Abend beim Plaudern mit Gleichgesinnten bei einem guten Glas Wein. Ich habe mich  mit etlichen Gästen und Mitarbeiterinnen des Museums unterhalten und konnte Katharina Lehmden und Christine Gutwenger näher kennenlernen. Dabei habe ich näheres über ihre wichtige Arbeit mit den VereinskünstlerInnen erfahren.

Ich finde es wirklich schade, dass die Sammlung für die Öffentlichkeit in dieser Form nicht mehr zugänglich ist.

Du auch? Kennst du das Special der Kunstvermittlung? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

 

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