Der Kreisel oder Das Ende ist der Anfang
Diese Überschrift trifft es nicht ganz – der Start liegt genaugenommen lange vor dem 1.1. 2024.
Im ersten Quartal 2023 war ich noch bei einer Jobvermittlung. Völlig zufällig spazierte ich nach langer Zeit wieder einmal über den Hohen Markt im ersten Bezirk in Wien. Mein Blick wurde von einem riesigen Gemälde am Ende des Verkaufsraumes angezogen. Eine mir unbekannte Galerie neben dem Römermuseum! Erst dann sah ich den unscheinbaren Wisch in der Auslage: Wir stellen ein!
Das Glück war auf meiner Seite: ich bekam die Stelle als Sales Assistant. Und das ohne einschlägiges Studium (ich war ja lange Zeit Technikerin im Maschinenbau).
Vorerst noch über die Jobagentur angestellt, wurde ich nach einem Jahr im März 2024 fix übernommen. Wenige Monate später die Kündigung: BÄM! Die Galerie schließt im September.
BÄM. Kairos, bist du das? Ich fragte beim AMS wieder einmal nach dem UGP (Unternehmensgründungsprogramm). Da ich nebenbei eine Werbetexter-Ausbildung machte, wollte ich die Gelegenheit ergreifen, Unterstützung bei der Firmengründung zu holen.
Ist doch perfekt! 1. Zeit, mich besser vorzubereiten; 2. es gibt Workshops und Coachings für bürokratische Themen; 3. während dieser sechs Monate die Unterstützung vom AMS bekommen; und 4. im Anschluss die Anmeldung beim Finanzamt als Werbetexter.
Nur hatte ich die Rechnung ohne den berühmten Wirten gemacht: Ich hätte die Selbstständigkeit schon im Jänner anmelden müssen.
Meine Themen und Highlights in 2024
Pfalzner und OJEderMANN - So ein Theater!
Zwölf Jahre ist es her, seit ich begonnen habe, Schauspielkurse in der Open Acting Academy Wien (heute Konservatorium für Schauspiel) zu belegen.
Im November 2023 habe ich mich entschlossen, wieder einmal bei einer Produktion mitzumachen. Dabei wird ein Stück aufgeführt, das unser Kursleiter Peter Uhl entwickelt, nachdem die Teilnehmenden Figuren- und Themenvorschläge bekanntgegeben haben.
Im Jänner begannen die Vorbereitungen für den „Pfalzner“. Wie genau so eine Produktion abläuft, werde ich in einem anderen Blogpost beschreiben. Die gelungenen Aufführungen fanden Ende März in der Black Box der Open Acting Academy statt.
Im Oktober habe ich nach längerer Überlegung wieder bei einer Prod zugeschlagen. Diesmal gehen die Unterrichtseinheiten über zwei Trimester (10 Wocheneinheiten im Winter, 10 Wocheneinheiten im Frühjahr).
Wieder ein Stück von Peter – OjeDerMann. Ein Spiel vom Sterben des armen Mannes, der zufällig reich war.
Und wir durften die Aufführungen an drei Abenden Anfang April 2025 sogar in einem größeren Theater zeigen! Was für eine Aufregung. Im Oktober gab es die heiß ersehnte Neuauflage. Der Besucherandrang war groß!
Seit 2016 sind so schon etliche coole Stücke entstanden, die es auch teilweise auf YouTube zu bewundern gibt.
Calliope - meine Frauengesangsgruppe
Sie ist auch eine Musentochter der Open Acting Academy. Absolventinnen der Schule wurden von Colleen, Leiterin der Schule und ehemalige Opernsängerin, eingeladen, bei ihrer Gesangsgruppe mitzumachen. Klar, gerne! Ich sang früher einige Jahre in zwei Chören. Einer wurde aus Altersgründen aufgelöst, den anderen habe ich aus persönlichen Gründen verlassen.
Das erste Konzert im Juni ist beim Publikum sehr gut angekommen! Es hat mich sehr gefreut, für lauter begeisterte Besucher zu singen.
Die Übernahme in die Galerie
Gut gemacht! Natürlich, sonst wäre ich wohl rausgeschmissen worden. Im März lief meine befristete Anstellung bei der Jobvermittlung aus und ich wurde fix in die Rhino-Art GmbH übernommen.
Lange dauerte es leider nicht – im Herbst war es vorbei mit der Galerie. Die Geschäftsführer wollten nach etlichen harten Monaten nicht mehr und lösten die Firma auf. Da standen wir nun – meine Vorgesetzte und ich – und durften all die tollen Kunstwerke, die nicht verkauft worden waren, an die Künstler zurückschicken.
VieVinum - die Weinmesse in der Hofburg
Die war wieder ein echtes Highlight. Ende Mai – am selben Tag lief ich davor die 10km-Strecke des österreichischen Frauenlaufs – belagerte ich mit tausenden anderen weinbegeisterten Besuchern die Hofburg in der Wiener Innenstadt. Alle zwei Jahre findet dieses große Event mit vielen Ausstellern nicht nur aus Österreich statt.
Ich hatte mir zwar vorgenommen, wie auch schon 2022 einen Artikel darüber zu verfassen, das ist aber nicht geschehen. Allerdings habe ich einige köstliche Tropfen verkostet, daran kann ich mich noch gut erinnern. Und das Erlebnis wird sowieso in meinem Gedächtnis bleiben.
Die Weine oder die betreffenden Weingüter kann ich auch im Nachhinein noch beschreiben.
Copywriting ja - aber ohne UGP
Was lange währt, wird endlich gut – oder nicht?
Im Sommer 2022 peilte ich eine Weiterbildung in Werbetexten bei Mario Burgard an. Im Frühjahr hatte ich mich nach einem tollen, aber kurzen Lehrgang über Social Media Management bei etlichen Firmen für das Social Media Marketing beworben.
Ich war top motiviert, die Vorstellungsgespräche trudelten ein. Offene Stellen gab es genug, die Bezahlung versprach auch Gutes, sodass ich mit einer Teilzeitbeschäftigung das Auslangen finden würde. Das war deshalb wichtig, weil ich den Werbetexter weitermachen wollte.
Im Sommer war noch immer keine Anstellung in Sicht – und meine Motivation und Energie fielen rapide. Und so blieb auch der Werbetexter schlapp auf den ersten Metern liegen.
Schließlich fand ich im Winter über das AMS die Jobvermittlung, bei der ich einige Monate später angestellt und in weiterer Folge an die Galerie verliehen wurde.
2023 war mein Energielevel noch nicht so hoch wie früher, und bis auf ganz wenige Stunden im Monat blieb die Weiterbildung Copywriting im Ruhemodus.
Allerdings hörte ich bei dem lieben Schreibsuchti ein Interview mit Max Längsfeld von der Copywriting MBA, und mein Wunsch, weiterzumachen, wurde wieder entfacht.
So habe ich mir nach einem Infogespräch im November 2023 den Lehrgang gekrallt (man gönnt sich ja sonst nichts) – und der Aufbau der CoMBA ist auch so gestaltet, dass man quasi “on the go” die ersten Kunden akquiriert und sich nebenbei das Wissen aneignet, wie man als Anfänger den Kunden die ersten Verkaufstexte liefert.
Als ich im April 2024 das Go für die 10-wöchige Betreuung durch die Copywriter der MBA gab, sah die Lage recht rosig aus. Geplant war auch die Anmeldung der Selbstständigkeit als Werbetexter. Solange der Umsatz 2024 unter der Geringfügigkeitsgrenze von 518,44 Euro pro Monat bleibt, fallen keine zusätzlichen Sozialversicherungsgebühren für Selbstständige an.
Was mir damals nicht klar war, ist, dass ich mit dem ersten Euro über dieser Grenze voll sozialversicherungspflichtig bin, und zwar rückwirkend für das ganze Jahr.
Kleiner Exkurs zu meiner Selbstständigkeit
Ich bin seit 2016 bei der Sozialversicherung geringfügig als Künstlerin gemeldet. Falls sich jemand fragt – diese sind seit etlichen Jahren in Österreich die Neuen Selbstständigen, die keine Gewerbeberechtigung für ihre Tätigkeit benötigen.
Damals habe ich begonnen, kleine Engagements als Kleindarstellerin (Bezeichnung für Schauspieler, die keinen staatlich anerkannten Abschluss haben) anzunehmen. Eine Anzeige in der Open Acting Academy machte mich auf den Tag8 https://www.tag8.net/ aufmerksam. Sehr, sehr empfehlenswert für die, die eine Live-Schnitzeljagd durch ganz Wien erleben möchten.
Seit Dezember 2019 habe ich außerdem Engagements bei den musikalischen Umrahmungen https://www.musikalische-umrahmung.at/. Ich beteilige mich mit meiner Zugposaune bei einem Blasmusikquartett, das abwechselnd mit Streichern bei diversen Urkundenverleihungen im Zuge der Feiern nach Studienabschlüssen auftritt.
Diese Aufträge werfen aber nie mehr als ein paar hundert Euro pro Monat ab, falls es überhaupt ein Engagement gibt. Heißt also, dass ich davon nicht einmal Miete bezahlen kann …
Dann gab es irgendwas mit einem Hohen C. In den Jahren 2020 und 2021 waren die zusätzlichen Einnahmen praktisch auf 0. Erst ab Juni 2022 durften die Bläser wieder auftreten, somit ging damals meine künstlerische “Fast”-Karriere weiter.
Für das Jahr 2022 habe ich erstmalig eine Einkommensteuererklärung abgegeben. Diese ist fällig, sobald der Umsatz im Jahr einen gewissen Betrag übersteigt. Soweit ich mich erinnere, lag dieser Freibetrag bei 730 Euro pro Jahr (das ist KEINE gesicherte Zahl! Just for Information, um eine ungefähre Vorstellung zu haben).
Ich hatte richtig Bammel vor dieser blöden Steuererklärung. Daher habe ich mich auch lange davor gedrückt und diese erst 2024 abgegeben. Im Nachhinein hat sich diese Scheuklappenmentalität als völlig unnötig herausgestellt. Naja – ich konnte halt nicht wissen, dass es so harmlos sein wird.
Zuerst muss im Finanzamt (geht auch online) der Erklärungswechsel von der allseits bekannten Arbeitnehmerveranlagung zu dieser Steuererklärung beantragt werden. Dann kann man die erforderlichen Formulare für die Steuererklärung ausfüllen.
Das Finanzamt errechnet dann aus dem Jahreslohnzettel der Firma, in der man angestellt ist, und den Angaben aus den Steuererklärungsformularen das Ergebnis. Danach bekommt man den üblichen Bescheid.
Ich habe einen Steuerberater in Graz gefunden, der online Beratungstermine vergibt. Und diese halbe Stunde war wirklich bestens investiert, denn in dieser Zeit hat mir die nette Dame geholfen, die paar erforderlichen Felder in den Formularen auszufüllen.
Dadurch, dass ich so wenige Einnahmen durch Engagements habe, kann ich in jedem Fall die Kleinunternehmerpauschalierung mit ein paar wenigen Abzügen in Anspruch nehmen. Die Begründung im Steuerbescheid listet die ganzen Begriffe auf, wie die Beträge heißen, die berechnet werden. Das Endergebnis für 2022 war so niedrig, dass keine Abgaben oder Nachzahlungen erforderlich waren.
Nicht das UGP
Im April startete also mein Mentoring bei der CoMBA. Aus diversen Gründen kam ich nicht so voran, wie ich mir das vorstellte. Da ich ohnehin nicht vorhatte, mich komplett in die Selbstständigkeit zu stürzen, wartete ich die Gewerbeanmeldung noch ab – zum Glück.
War es mein Bauchgefühl? Am Ende des Jahres stellte sich heraus, dass die Entscheidung trotz aller Hin- und Herwälzerei der Für und Wider im Strohkopf (inklusive der obligatorischen Hinweise der Copywriter-Community, sich doch nicht so anzusch…) richtig war.
Da ich die Workshops in den geplanten 10 Wochen nicht abschließen konnte, buchte ich ein weiteres Jahr die CoMBA-Mitgliedschaft, um zukünftig auf die Hilfe der Mentoren beim Verfassen der Werbetexte in Anspruch nehmen zu können. Und natürlich die Inhalte des Lehrgangs weiter zu lernen.
Tja – und dann war da die Ankündigung der Galerieschließung … sehr super! Trug nicht gerade zu meiner Motivation bei. Seit Sommer 2022 habe ich gefühlt nur noch die Hälfte oder weniger Energie aus meinen Jugendjahren.
Mitte November bekam ich endlich den Termin zum Einführungsworkshop für das UGP.
Zu spät.
Wie in der Einleitung beschrieben ist das ein spezielles Förderprogramm für Jungunternehmer (ja, so heißt das, auch wenn ich nur noch schön bin – wer kennt den Spruch?).
Wenn die Aufnahme in dieses Programm genehmigt wird, kann man sich ein halbes Jahr lang auf die Selbstständigkeit vorbereiten und bekommt bis zur Gewerbeanmeldung den Lohn vom braven Steuerzahler in Form von AMS-Geld. Außerdem werden einige Ausgaben zur und nach der Anmeldung des Gewerbes erstattet.
Und wo ist der Haken? Ganz einfach – es ist die Zeit, die mir zur Verfügung gestanden hätte. Ich hätte das Gewerbe mit 1.1.2025 anmelden müssen – also nach knapp einem Monat des UGP-Starts.
Die Vorschriften dieses Programms besagen, dass man spätestens nach 6 Monaten das Gewerbe anmelden muss. Ab diesem Zeitpunkt ist man voll versicherungspflichtig bei der gewerblichen Sozialversicherung.
Das gilt aber nicht für mich. Da ich eben seit fast 10 Jahren geringfügig als Künstlerin gemeldet bin, MUSS ich ab dem ersten Jänner die kompletten Beiträge der Sozialversicherung leisten, egal wann ich das Gewerbe starte. Und sämtliche Förderungen müssen zurückerstattet werden.
Also heißt es weitersuchen.
Nach einer M&M-Stelle (Mahlzeit&Miete © Cordula Nussbaum), die in Teilzeit genug Geld abwirft, um nebenbei mit der Ausbildung zum Copywriter weiterzumachen.
Und die beiden künstlerischen Aktivitäten weiter ausüben zu können.
Weitere schöne und besondere Momente in 2024
Teilnahme bei zwei Konzerten mit der Camerata Musica mit einer Komposition des Geigers Uwe Scheer
Etliche schöne Konzerte in Wien und Kaltenleutgeben
Ein Auftritt in meiner Paraderolle als Sandler bei einem Übungs-Tag8
Geburtstagsessen zum 60er meines Bruders
Besuch zum Geburtstag bei meinem lieben Freund und Laufkollegen Gert (das erste, einzige und letzte Mal in seiner Wohnung im achten Bezirk in Wien)
Dekorieren bei HP K., einem Stammkunden der Galerie
To be continued …
