Die VieVinum in der Hofburg!

Am Sonntag, den 22. Mai, war ich bei der VieVinum!

Was ist die VieVinum? Die M.A.C. Hoffmann & Co. GmbH – der Veranstalter – bezeichnet es als internationales Weinfestival, ungefähr 500 Produzenten, Importeure und Distributeure aus Österreich und der ganzen Welt waren 2022 vertreten.

Ich war mehr als gespannt, welche Weine es zu entdecken geben wird!

Eine besondere Reihenfolge oder Vorbereitung hatte ich nicht überlegt, ich wollte mich spontan leiten lassen. Der einzige Plan war, dass ich zuerst Sprudel, danach weiß vor rot und zum Abschluss die Süßweine vekosten würde.

 

Der Start

Begonnen habe ich tatsächlich mit Champagner. Der Stand vom Weinhaus Döllerer aus Kuchl, Salzburg, lag auf meinem Weg in den ersten Stock. Ich habe einen Rosé (Pinot Noir) und zwei weiße Champagner (einmal eine Cuvée aus Pinot Noir/Chardonnay und einmal Chardonnay) von Lallier verkostet. Alle drei schmeckten. An den typischen hefigen Geschmack kann ich mich noch erinnern, perlig fein und frisch waren sie auch.

Notiert habe ich nichts – ich habe mich nicht auf eine typische Verkostung eingestellt, außerdem wollte ich einfach probieren und meine kommunikative Ader ausleben.

 

Österreichischer Sekt

Eine Bekannte vom Seminar der Weinakademie Rust wies mich auf die Bar mit österreichischem Sekt hin. Das sollte meine nächste Station sein.

Im Wintergarten war die Bar aufgebaut. Zuerst probierte ich die Große Reserve Brut Nature Rosé „In Signo Aquarii“ 2017, einen Pinot Noir,  von der Kellerei Heribert Bayer aus Neckenmarkt.

Dann die Explosion – ich probierte den Steininger, eine Große Reserve Brut Riesling 2017 vom Ried Heiligenstein. Der Heiligenstein ist ein besonderer Berg mit einer geheimnisvollen Ausstrahlung (sagte mir jedenfalls eine Schauspielkollegin, die einmal in Langenlois wohnte).

Der Riesling war großartig – wunderbar fruchtig, ein feiner exotischer Geruch und Geschmack nach weißen Pfirsichen. Unwiderstehlich, davon nahm ich einen weiteren Schluck! Dieses edle Tröpfchen besorge ich mir demnächst für zuhause. Das wird eine Gelegenheit für eine „richtige“ Verkostung für meine Seite.

 

Wein aus Kärnten?

Ich schwimme gerne abseits der Masse. Deshalb bin ich immer wieder auf der Suche nach ungewöhnlichen Dingen.

Kärnten ist das unbekannteste Anbaugebiet in Österreich. Erst in den letzten Jahren widmen sich die Kärtner Winzer vermehrt dem Weinbau und der Vermarktung von Wein.

Die drei Stände versteckten sich im Zeremoinesaal hinter den Steirern – ich fand sie trotzdem.

Gefangen von einem jungen Winzer

Ich sah offensichtlich so unentschlossen aus, dass mich ein junger Mann ansprach und mir einen Schluck anbot. Klar – er musste seine Produkte an die Besucher bringen! Es war der junge Winzer vom Weingut Trippelgut  aus Feldkirchen. Ich probierte den Bergland Weißer Burgunder Privat Ried Kreuzfeld und den Pinot Blanc.

Weingut Domäne Lilienberg

Auf dem Nebentisch präsentierte das Weingut von Mirjam Orasch seine Weine. Ich unterhielt mich eine längere Zeit angeregt mit der freundlichen Mitarbeiterin und probierte dabei einen typischen Sauvignon Blanc (einen 2019 vom Ried Rosengartl) und einen Muskateller. Beide wohlschmeckende Vertreter ihrer Sorte.

Ich steckte ein Prospekt ein – zur Erinnerung, falls ich eine Idee für einen Urlaub in einem schönen Weingebiet suche.

Weinbauverband Kärnten

Wenn ich schon so weit in den Süden vorgedrungen war, wollte ich noch eine Zeitlang dort verweilen.

Die dritten im Bunde waren einige Winzer des Weinbauverbandes. Ich wurde vom Cuvée „3 Bussarde“ 2017 (Chardonnay, Sauvignon Blan, Pinot Gris) vom Weinbau Sem Kegley & Georg Lexer aus Klagenfurt angeflogen und probierte davon ein Gläschen.

 

Der Unfall - Feiler-Artinger

Der nächste Schluck sollte meine Reihenfolge durcheinanderwürfeln. Sprudel und Weiß hatte ich zwar vermischt, aber Rot war noch nicht dabei – und kein Süß.

Franciacorta stand noch auf meiner imaginären Wunschliste. Das ist der italienische Schaumwein, der nach der Champagermethode, also Flaschengärung, hergestellt wird.

Allerdings war ich vorerst im Burgenland aufgeschlagen – im Festsaal der Hofburg. Beim Stand vom Weingut Feiler-Artinger aus Rust filmte der ORF. Katrin Feiler sollte jemandem einen Ruster Ausbruch, den berühmten Süßwein, einschenken. Ohne lang zu überlegen sagte ich zu. Der goldene Muskateller aus 2018 floss in mein Glas – und von dort meine Kehle hinunter.

Damit war die Reihenfolge dahin. Ich ließ mir den 2021er Eiswein einschenken – ebenfalls ein Muskateller.

Das Weingut Feiler-Artinger kenne ich persönlich seit 2015 vom Weinseminar Österreich der Weinakademie Rust. Die zwei Seniorchefitäten veranstalteten eine Verkostung für die Teilnehmer des Seminars. Ein unvergessliches Erlebnis – das Weingut ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

 

Weitere Burgenländer

Gager

Die Entfernung zum Weingut Gager aus Deutschkreutz betrug nur wenige Meter – zumindest bei der VieVinum. Einer meiner Lieblingsweine ist der Quattro, eine Cuvée aus den österreichischen Sorten Blaufränkisch und Zweigelt und den französischen Sorten Cabernet Sauvignon und Merlot.

Horst Gager ist ein offener und freundlicher Mensch, wie es sich für einen Winzer gehört, der seine Weine an die Kundin bringen möchte. Gager hat nur Roten – ich konnte dem Charme des jungen Mannes aber nicht widerstehen und blieb im Land der Sonne.

Außer meinem Quattro kostete ich zwei BFG (reinsortig Blaufränkisch, Jahrgänge 2018 und 2017), den Cablot (eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc) und den Tycoon (eine Cuvée aus Blaufränkischn Cabernet Sauvignon und Tannat). Man merkt in jedem Wein das Können des Kellermeisters.

Als Kind aus dem Südburgenland kenne ich den Blaufränkisch, der mittlerweile zur Paradesorte des Burgenlandes geworden ist. Je weiter mein Alter fortschreitet, desto weniger kann ich mit den jungen Vertretern der Sorte anfangen. Junger Blaufränkisch ist mir heute im Gegensatz zu früher, als ich noch jung und schön war,  zu grün. Die Tannine (die Gerbstoffe des Rotweins, die den Mund austrocknen) sind für meinen Geschmack zu dominant. Der BFG 2017 hat mir daher besser gefallen, obwohl der 2018er schon zugänglich war.

Igler

Ein paar Schritte daneben war der Stand von Hans Igler, ebenfalls Deutschkreutz. Der nette junge Mann, der die Weine präsentierte, ist der Enkel von Hans Igler.

Kunstbegeisterten Menschen ist Anton Lehmden, einer der Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus und der Gestalter der Etiketten der Weine, ein Begriff. Manche kennen das 360 m² große Glasmosaik „Das Werden der Natur“ in der Wiener U3-Station Volkstheater.

Sehr gute Weine gab es selbstverständlich auch hier. An den puren Blaufränkischen habe ich nur genippt, vom Vulcano 2018, auch eine Cuvée aus den vier Sorten Blaufränkisch, Zweigelt Cabernet Sauvignon und Merlot, war’s ein klein wenig mehr. Platz für den Ab Ericio 2013, eine wirklich schmackhafte und schön gereifte Cuvée aus Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot – macht Lust auf mehr!

Szemes & Arachon T.FX.T.

Mein Liebster wollte unbedingt den Arachon verkosten – ein Blaufränkisch aus dem mittelburgenländischen Horitschon.

Und wieder treffe ich auf einen netten Winzer, der uns seine Weine präsentiert. Oscar Szemes ist der Sohn von Tibor Szemes aus Pinkafeld, der gemeinsam mit F.X. Pichler aus der Wachau und Manfred Tement aus der Südsteiermark vor über zwanzig Jahren den Arachon T.FX.T kreiert hat. Der 2018er ist noch zu jung, der darf gerne noch ein paar Jahre reifen.

Vom Zweitwein, dem A’Kira (burgenländisch für „Ein Schrei“ – ich habe es mit der Kirche assoziiert, ebenfalls Kira in unserem Dialekt ausgesprochen) habe ich nur einen Schluck probiert. Den kenne ich schon als wohlschmeckenden und günstigen Speisenbegleiter.

 

Das Weinviertel - endlich ein Roter Veltliner

Mittlerweile hatte ich Stunden auf der VieVinum verbracht, aber beim Roten Veltliner (geschweige denn beim Spätrot oder Rotgipfler) war ich noch immer nicht.

Eine meiner Lieblingssorten ist der Rote Veltliner. Diese autochthone Rebsorte wird nur noch am Wagram, im Krems- und Kamptal, im Weinviertel und in Wien kultiviert.

Die Liebe zum Roten Veltliner begann beim zweiten Weinseminar der Ruster Weinakademie im Jahr 2015. Damals habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Cuvée aus Spätrot und Rotgipfler probiert – noch nie zuvor von diesen Sorten gehört.

Spätrot? Rotgipfler? Roter Veltliner?

Spätrot (Synonym Zierfandler) und Rotgipfler sind autochthone Sorten der Thermenregion (Niederösterreich). Seit dem ersten Zusammentreffen mag ich die fruchtig-exotische Aromatik.

Der Rotgipfler ist eine Kreuzung aus Rotem Veltliner und Traminer und der Spätrot eine Kreutzung aus Rotem Veltliner und einer traminerähnlichen Sorte. Daher ist es naheliegend, dass mir auch der Rote Veltliner schmeckt.

Praktischwerweise waren die Weinviertler gleich ums Eck von den Pinkafeldern in der Galerie platziert – einmal Umfallen und ich war da.

Bioweingut Staringer

Die erste Station, die mich gewissernmaßen anlachte, war die freundliche Dame vom Weingut Staringer. Möglicherweise liegt es daran, dass die VieVinum zuletzt ausgefallen ist – es ist jedenfalls auffallend, dass die Winzerinnen und Winzer allesamt freundliche und offene Menschen sind – nicht nur, weil sie ihre Weine an die Kundinnen bringen möchten, es ist eine Lebensphilosophie.

Den ersten Wein, den mir die Frau des Juniorwinzers einschenkte, war ein Welschriesling. Ich mag die spritzige Sorte, vor allem die Steirer (lieber als die braven Burgenländer). Ob der angeregten Unterhaltung mit der netten jungen Dame und ihrem Schwiegervater habe ich tatsächlich vergessen, ob ich danach einen Riesling oder einen Muskateller hatte.

Weingut Jungmayr

Zwei Tische weiter war ich an einem Etappenziel. Bei der Senoirchefin bekam ich endlich meinen Roter Veltliner – einen Ried Hochstraß 2021. Die Dame erzählte mir Interessantes. Diese ertragreiche Sorte muss für qualitativ hochwertige Weine ausgedünnt werden. Hier wird das bewerkstelligt, indem die Traube halbiert wird.

Wann dieser Schritt durchgeführt wird, habe ich nicht gefragt, vielleicht habe ich es mir auch nicht gemerkt. Das ist ein interessantes Thema, dem ich ein andermal nachgehen werde.

 

Exoten

Ich war schon lustig – der anstrengende Verkostungstag zeigte seine Spuren.

Der Hardcore-Verkoster weiß, warum diese seltsamen Spucknäpfe verwendet werden. Ich habe von einem Vortragenden der Weinakademie gehört, dass er es geschafft hat, nach einem ganzen Tag Null Promille vorweisen zu können. Mir tut es (fast) jedesmal leid, ein Naturprodukt, dass mit Blut, Schweiß und Tränen hergestellt werden musste, auszuspucken.

In der Antekammer neben der Galerie waren die Südeuropäer zu finden, und hier bekam ich den Franciacorta. Das ist der italienische Schaumwein, der nach der Champagnermethode (Flaschengärung) hergestellt wird. Bei der Vineria Maggior Consiglio probierte ich unter anderem den Franciacorta Brut DOCG Donna Elisabetta (Chardonnay). Ich bekan auch einen 10%-Gutschein für einen Einkauf beim Distributor in Wien.

In diesem Raum schenkten auch die Slowenen, Kroaten, Polen und Ungarn in friedlicher Koexistenz ihre Weine aus. Zuerst probierte ich den Styria Verus Furmint und den Styria Verus Riesling, beide 2021, von Verus Vinogradi – Slowenien, präsentiert von Danilo Snajder.

Den nächsten Plausch mit Weinprobe hielt ich mit den jungen freundlichen Polen aus Małopolska in der Nähe von Krakow. Ich kostete den Solaris 2021; der Solaris ist eine 1975 neu gezüchtete pilzwiderstandsfähige Sorte.

Den Ungarn am Nebentisch ließ ich mir auch nicht entgehen. Minutenlang dauerte das nette Gespräch bis ich verstand, dass ich einen Welschriesling (Olász Rizling) im Glas hatte!

Die bislang längste Unterhaltung führte ich mit dem älteren freundlichen Herrn, der die Weine aus Slawonien und Baranja ausschenkte. Ich probierte die drei reinsortigen Cabernet Franc ungarischer Herkunft, einen Villány Franc Ördögárok Selection 2015 vom Weingut Bock, einen 2018er vom Weingut Koch aus Villány und einen 2017er vom Weingut Gere, ebenfalls Villány. Planlos wie ich war, hatte ich vor dem Besuch der Messe natürlich keine Aussteller recherchiert, und bei der Plauderei habe ich auch nichts davon mitbekommen. Erst im Anschluss, als ich über diese schöne Urlaubsgegend recherchierte, fiel es mir auf. Die Trauben stammen wohl teils aus Baranya, teils aus Villány, abhängig vom Weinproduzenten.

Leider war die Zeit nicht stehengeblieben und die Durchsage erinnerte die Besucher an das bevorstehende Ende des VieVinum-Sonntags.

 

Ein schöner Abschluss

Beim Stolpern aus der Hofburg landete ich doch tatsächlich beim Herrgott!

Ich bin ein Banause, ich gebe es zu. Ich mag Schilcher (Blauer Wildbacher). Immerhin gibt es seit einiger Zeit eine DAC-Auszeichnung für die autochthone Rebsorte aus der Weststeiermark – ob diese meine Geschmacksverirrung entschuldigt?

Im Vorsaal rannte ich beinahe am Stand vom Demeterhof Herrgott aus St. Stefan ob Stainz vorbei. In Stainz findet jedes Jahr Ende August oder Anfang September mein absoluter Lieblingslauf statt – wer hat’s erraten? Es ist der Schilcherlauf. Allein schon das köstliche Buffet mit selbstgebackenen Mehlspeisen im Anschluss ist einen Besuch wert. Du kannst auch walken!

Ich kenne den Herrgott. Bei meiner lieben Bekannten Barbara vom Biobauernhof Harzl in Marhof übernachte ich immer an diesem Laufwochenende. Bei der Rückfahrt am Sonntag packe ich jedesmal ein paar Flaschen Schilcher ein.

Selbstverständlich konnte ich die Messe nicht ohne einen Halt bei einem Weststeirer verlassen.

Trotz der späten Stunde plauderte der junge Mann freundlich mit mir. Christian Strohmaier ist Winzer und Geschäftsführer des Weingut Herrgott. Ich genoss den Schilcher Frizzante 2021, der im Glas prickelte und pure Lebensfreude versprach.

Die letzten Minuten vor dem Rausschmiss gönnte ich mir eine besondere Spezialität – den Sofrei Gelb Naturwein 2019 – einen Orange Weißburgunder. Mit Orange Weinen hatte ich noch nicht oft das Vergnügen. Demnächst mehr davon in diesem Theater.

 

Jetzt bist du dran. Warst du auf der VieVinum? Welche Weine magst du? Schreib‘ es mir gerne in die Kommentare.

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